
SO, jetzt haben wir das, worauf ich immer gewartet habe – den Vorschlag, ein allgemeines Pflicht-soziales Jahr für Männlein und Weiblein einzuführen.
Grundsätzlich finde ich das gut – die “Wehrgerechtigkeit” hat ja in den letzten Jahren doch ein wenig gelitten. Stellte man seinen Zivildienstantrag zu früh, war klar, dass man auf jeden Fall irgendwo seinen Ersatzdienst leisten muss. Wartete man auf den Einzugsbefehl zur Bundeswehr, so gab es drei Möglichkeiten:
1. Man hatte Glück und konnte einfach so durchs System rutschen, weil längst nicht mehr alle gezogen wurden.
2. Man hatte Pech und wurde trotz der Hoffnung, nicht gezogen zu werden, trotzdem zum Bund beordert. Hatte aber trotzdem noch den Vorteil, dass man wesentlich kürzer dienen musste als ein Zivi.
3. Sollte man gezogen werden und keine Lust auf Bundeswehr haben, war´s schlecht, in kurzer Zeit einen Zivildienstplatz nach eigenen Wünschen/Neigungen zu finden, so dass man hier auch die A-Karte hatte.
Wenn ich lese, dass ein Thomas Bender von der SPD etwas von sich gibt wie “Zivildienstleistende sind keine billigen Arbeitskräfte, und das dürfen sie auch nicht sein.”, dann frage ich mich, auf welchem Planeten diese(r) Leut(e) wohn(t)en.
Jedenfalls nicht auf diesem.
Denn – seien wir ehrlich: was sind Zivis anderes als schlecht bezahlte Arbeitskräfte, die das Sozialsystem am Laufen halten.
Aus meinem eigenen Zivildienst (beim Rettungsdienst, was mir auch durchaus Spaß gemacht hat, und sicherlich eine prägende Erfahrung in meinem Leben war) weiss ich, dass wir dort die gleichen Rechte und Pflichten hatten wie die Hauptamtlichen, mit denen wir auf einem Wagen gefahren sind. (OK- Wir durften keine Medikamente geben, und hatten sicherlich auch weniger medizinische Kompetenz, aber Nachtschichten und 24-Stunden-Dienste haben wir genau so abgearbeitet) Allerdings gab´s doch deutliche Diskrepanzen zwischen dem Lohn eines Festangestellten und dem eines Zivildienstleistenden.
Die Krankenkassen/Krankenhäuser/Altenheime/Pflegeheime etc. werden Amok laufen, sollte sich die Regierung dazu entscheiden, den Wehrdienst auszusetzen und somit auch keine neuen Zivildiensleistenden mehr produzieren.
Dann müssten polnische/russische/weissdergilb-wasfür-Aushilfen zu noch geringeren Löhnen arbeiten, weil das System sich sonst gar nicht mehr tragen wird.
Also bleibt nur die Flucht nach vorn: das Nicht-mehr-so-ganz-freiwillige soziale Jahr.
Die Frage, die sich mir dann stellt, ist: Wie sollen diese jungen Menschen für ein Jahr Ihres Lebens, was für den Staat draufgeht, entlohnt werden. Oder anders: Wie sollen die Löhne bezahlt werden, wenn auf einmal jeder und vor allem auch noch JEDE (was die Anzahl der zu Zahlenden Löhne verdoppeln sollte) in Staates Diensten ihre Fronarbeit leisten?
Für mich sieht´s einfach so aus, als ob irgendwer (Guttenberg) damit angefangen hat, die Wehrpflicht abschaffen zu wollen (ich halte eine Berufsarmee auch für durchaus sinnvoller), und es ihm egal ist, was mit dem ganzen Rattenschwanz passiert, der hinten dran hängt (Zivis waren ja immerhin die letzte Legitimation für den Wehrdienst). Jetzt kriegen alle kalte Füße und wurschteln sich ein System zurecht, wie sie das System “Zivi” doch noch irgendwie beibehalten können, weil sonst der deutsche Pflege- und Gesundheitsapparat einfach kollabiert.
Blöderweise kann man dann nicht mal mehr nach dem Zivi brüllen, weil der dann ausgestorben ist.