1987 hatten wir unseren ersten Heimcomputer bekommen, den Amiga 500 – was zum damaligen Zeitpunkt das High-End des heimischen Rechners darstellte.
Der Amiga war der erste Rechner, der eine grafische Benutzeroberfläche ähnlich der jetzigen Windows-Oberfläche hatte. Es gab dort ein Textverarbeitungsprogramm, Bildbearbeitungsprogramme, Möglichkeiten zur Einstellung der Desktop (-bzw. “Workbench”)-Farben und vieles mehr, was bis heute Standard ist. Das faszinierende daran ist, dass damals alles auf eine einzige Diskette gepasst hat.
Vorher gab es natürlich den C64, der bis zum Erscheinen des Amigas DER Heim-Rechner war, hierauf gab es unzählige Spiele(klassiker) wie die Jump´n Runs Gianna Sisters, H.E.R.O., Ghost´n Goblins, Bubble Bobble, die erste Hubschrauber-Simulation Gunship, Arcade-Games wie Commandos, The Last Ninja, International Karate++, Strategiespiele wie Kaiser und unzählige Spiele mehr. Nicht zu vergessen natürlich die Adventures Maniac Mansion und Zak McKracken.
Das Tauschgeschäft auf den Schulhöfen brummte – jeder, der einen C64 besaß, hatte raue Mengen der wundervollen 5-1/4″-Disketten zu Hause liegen, vollgepackt mit mehr oder weniger sinnlosen Spielen.
Als ich 1987 den Amiga bekam, stand ich erst einmal allein auf weiter Flur – keiner meiner Freunde oder Mitschüler besaß so ein “High-End”-Gerät, was natürlich auch bedeutete, dass niemand Spiele tauschen konnte. Meine ersten (eigenen) Spiele waren Defender of the Crown und Ports of Call, beides nicht so arg actionlastig.
Es dauerte zwei, drei Jahre bis sich der Amiga unter den Heimnutzern so weit verbreitet hatte, dass es a) genug Spiele gab und b) genug Leute, die Leute kannten, die Spiele tauschen konnten. Damals war das Geschäft auf dem Tauschmarkt noch hart – Spiele gab es nur gegen Gegenleistung, sprich: andere Spiele gleicher Qualität. Kaum jemand, den ich kannte, tauschte Spiele nur einfach so. Das bedeutete, dass jedes qualitativ hochwertige Spiel ein kleines Schätzchen war, das sorgsam gehütet werden wollte. Eine kleine Tragödie war es, wenn auf einmal, aus unerfindlichen Gründen, die Spiele nicht mehr liefen, weil die Diskette oder was auch immer kaputt war.
In diesem Falle gab es meist den schwarzen Bildschirm und die gefürchtete “Guru-Meditation” – die Amiga-Variante des allseits beliebten BSoD. In diesem Falle konnte man froh sein, wenn man sich vorher mit X-Copy eine Kopie des Games gezogen hatte, was damals gar nicht so einfach war. Disketten waren rar für Schüler mit mittlerem Taschengeldeinkommen und so konnte man sich es kaum leisten, von Spielen Sicherheitskopien zu ziehen. Man erinnere sich: damals gab es keine (oder bzw. kaum) Festplatten, geschweige denn das Internet.
Kam man erst einmal in dieses Worst-Case-Szenario, war es sehr hilfreich, mit jemandem gut auszukommen, der das verloren gegangene Spiel ebenfalls besaß, und denjenigen dann ganz beiläufig anzuschnorren. Das ging manchmal gut, manchmal auch nicht, und man musste neue Handelsware besorgen um sie erneut einzutauschen.